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3.5.-8.5.2026 // Reisetagebuch Erasmus-Austausch der 10c in Prag

Bereits am Sonntag, dem 03.05., sind wir mit dem Zug nach Prag gefahren. Am Bahnhof hat uns die betreuende Lehrerin Frau Suma abgeholt und zur Unterkunft begleitet. 
Heute am Montag waren wir vormittags in der Austauschschule und haben die Klassen 5a und 5b (entspricht 10. Klassen in Deutschland) kennengelernt. Und wir haben unsere erste Unterrichtseinheit Tschechisch erhalten. Am Nachmittag sind wir mit Schülerinnen und Schülern der 5a an die Talsperre Hostivar gelaufen und haben gemeinsam Volleyball gespielt und den traditionellen Tanz Mazurka gelernt. 
Die Stimmung ist super und wir hoffen auf weitere schöne Tage.

Text: Sandra Schmidt, Bild: Josephine Ludwig

Heute am Dienstag hieß es zeitig aufstehen und frühstücken, denn um 8:00 hatten wir schon Tschechisch. Zuerst haben wir einige Vokabeln gelernt, die uns bei der Orientierung in der Stadt helfen können, danach gab es noch etwas Landeskunde. 
Um 9:30 haben wir die Klasse 5b in der Prager Innenstadt getroffen. Es wurden zwei Gruppen gebildet, dann begann die große Stadterkundung. 
Zuerst gab es einen Spaziergang durchs Jüdische Viertel, vorbei an drei der acht Synagogen und auch Stolpersteinen. Der nächste Punkt war der Jan-Hus-Platz. Dort haben wir eine Kranzniederlegung im Gedenken an den Prager Aufstand vom 05.05.1949 beobachtet. Danach sind wir am Haus zur Schwarzen Madonna vorbeigegangen. Das Haus gilt als Ursprung des Prager Kubismus, einem Architekturstil. Weiter ging es durch die Altstadt Richtung Karlsbrücke, die wir dann auch überschritten haben. Auf der anderen Moldauseite angekommen führte unser Weg durch den Park Kampa, einer der grünen Oasen in dieser quirligen Stadt. Im Park Kampa haben wir drei Baby-Skulpturen des Künstlers David Cerny entdeckt. Das Besondere an diesen Bronzewerken ist, dass sie statt Gesichtern Barcodes haben. Cerny kritisiert damit die Menschen der Konsumgesellschaft. Formähnliche Figuren des Künstlers sind auch am Prager 
Fernsehturm zu finden.
Nach einer wirklich kurzen Mittagspause ging es an der deutschen Botschaft vorbei und schließlich hinauf auf den Hradschin. Dort haben wir uns den Dom, die Stelle des Prager Fenstersturzes und natürlich die Wachablösung am Burgeingang angeschaut. Im ersten Burghof hing heute neben der tschechischen Flagge auch die finnische, was bedeutet, dass sich der finnische Präsident im tschechischen Amtssitz aufhält. Frau Pradna, eine weitere Kollegin der Austauschschule, meinte sogar zu wissen, dass der tschechische und der finnische Präsident am Vormittag gemeinsam joggen gewesen wären. 
Anschließend ging es den Burgberg wieder hinab. Mit der Straßenbahn sind wir zurück auf die andere Moldauseite gefahren, haben dort das Nationaltheater, das tanzende Haus und die alte Festung Vysohrad angeschaut. 
Alles in allem waren wir ca. 6 Stunden während dieser Tour unterwegs, haben ca. 12 km zu Fuß zurückgelegt bei mindestens 24 Grad.

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen von Franz Kafka. 
Am Vormittag hatten wir mit einer Kafka-Übersetzerin einen tollen Spaziergang durch das jüdische Viertel. Gestartet wurde an Kafkas Geburtshaus, weiter ging es zu Kafkas Schule sowie dem späteren Wohnhaus der Familie. Den Abschluss der Erkundung bildete das erst 2003 eingeweihte Kafka-Denkmal, das genau an der Grenze zwischen der jüdischen Stadt und der Altstadt errichtet wurde. 
Die Übersetzerin erzählte uns auch, dass Kafka-Texte in der Tschechosklowakischen Republik vor 1990 keine Bedeutung hatten. Erst ab 1990 begann ein Übersetzer-Team für den damals neu gegründeten Kafka-Verlag die zahlreichen, von Max Brod geretteten Texte vom Deutschen ins Tschechische zu übersetzen, sodass heute 13 Bände vorliegen.

Nach der Mittagspause trafen wir uns mit den Schülern der 5a und 5b zum Kinonachmittag. Gezeigt wurde der erst 2025 fertiggestellte und Oscar nominierte Film „Franz K.“. Die tschechisch-deutsch-polnische Produktion weist neben autobiografischen auch zahlreiche Textbezüge auf, sodass das Kafkaeske ein Stück weit erfahrbar wurde, wenngleich der Film insgesamt „schwere Kost“ für Schüler der 10. Klasse ist.

An unserem letzten Tag in Tschechiens Hauptstadt hatten wir nochmal ein volles Programm. Von 8:00 bis 12:30 nahmen wir am Unterricht der Klasse 5b teil. Zuerst gab es Musik. Mehrere Kanons wurde gesungen, der letzte sogar sechsstimmig. Danach hatten wir ein kleines Deutschprojekt. Wir untersuchten gemeinsam mit den tschechischen Schülerinnen und Schülern folgende Gedichte: Bertolt Brecht – Das Lied von der Moldau, Rainer Maria Rilke – Der Panther und Ingeborg Bachmann – Böhmen liegt am Meer. Alle drei Künstler lebten bzw. besuchten Prag. Zum Schluss gab es eine Stunde Sport auf den Außenanlagen. Während Christian sich an Tennis versucht hat, spielte Jannis mit den Jungen Fußball. Die Attraktion hingegen war Baseball, was für uns neu war und auch einer längeren Erklärung bedurfte.
Nach dem Mittagessen ging es zum letzten Mal in die Innenstadt, wo wir Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5b trafen. Zuerst hieß es die Stadt vom Tretboot aus zu beobachten. Ausgangspunkt war die Sophieninsel, die südlich der Karlsbrücke in der Moldau liegt. Danach war ebenfalls Muskelkraft in den Beinen gefragt. Es galt, zum Turm Petrin hinaufzusteigen und diesen auch zu besteigen. Man nennt den Petrin auch Kleiner Eiffelturm, weil er aus einer ähnlichen, wenngleich natürlich kleineren Stahlkonstruktion besteht. Das Besondere an dem Turm ist u. a. das Paar Wendeltreppen: eine führt hinauf, eine zweite wieder hinab. Somit hat man niemals Gegenverkehr auf der Treppe. Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn wir konnten nochmal auf die Stadt und die dahinterliegenden Hügel schauen. Alle von uns besuchten Plätze rückten ins Blickfeld.